? Kunsthandwerk in Brasilien

Kunsthandwerk in Brasilien

Wie die brasilianische Musik wurde auch das moderne brasilianische Kunsthandwerk durch eine Vielzahl verschiedener Quellen geprägt. Dementprechend breit und und bunt ist das Angebot: Holzschnitzerei, Keramik, Häkelarbeiten und Stickerei, Naive Malerei und Arbeiten aus Leder und vieles mehr  - afrikanische, europäische und indianische Elemente verschmelzen auch hier zu einem typisch brasilianischen Ganzen, wie es bunter und vielfältiger kaum sein könnte.

Die Kunst des Holzschnitzens kam einst mit afrikanischen Sklaven nach Brasilien, und noch heute werden hier Holzskulpturen nach überlieferter afrikanischer Tradition, sogenannte Carrancas, gefertigt. Besonders verbreitet ist die Holzschnitzerei in den Bundesstaaten Bahia und Pernambuco im Nordosten des Landes. Weitere Einflüsse in der Holzverarbeitung stammen von den jesuitischen Missionen aus der Kolonialzeit, in denen den Indianern unter anderem das Schreiner- und Schnitzhandwerk gelehrt wurde. Ein wichtiges Zentrum für die Herstellung von Holzskulpturen christlicher Prägung und traditonelle Möbel ist zum Beispiel die Stadt Embu im Bundesstaat São Paulo. 

Weitere alte Traditionen im Nordosten Brasiliens sind Keramik und Textilienhandwerkskunst. Der berühmteste Ort für religiöse Keramikarbeiten heisst in Tracunhaém und liegt in der Nähe von Recife im Bundesstaat Pernambuco. Ebenfalls aus Pernambuco stammt eine neuere, mit der naiven Malerei verwandte fokloristische Keramiktradition, die Caruaru Keramik, die Szenen und Figuren aus dem ländlichen Alltag Nordostbrasiliens darstellt. Keramik und Schmuck mit indianischen Einflüssen findet man vorwiegend im Amazonasbecken, wogegen Keramik aus Bahia afrikanische Elemente aufweist.

Für handgeklöppelte Spitzen in hoher Qualität ist der Bundesstaat Ceará ist für bekannt. In Bahia findet man originelle Häkel- und Stickereiarbeiten, entweder als ganze Stücke oder als Verzierung von folkloristischen Kleidern und Hemden. Ebenfalls primär im Nordosten beheimatet ist die Herstellung von Hängematten, die von hier aus in die ganz Welt exportiert werden. Die Bundesstaaten Bahia, Pernambuco und Piauí sowi das Amazonasbecken beeindrucken zudem mit einer breiten Palette an Flecht- und Korbwaren.

Typische Lederprodukte aus dem Nordosten  - Taschen, Geldbörsen, Sandalen, Schuhe und vieles mehr - zeigen Einflüsse der Tradtionskleidung der nordosstbrasilianischen Viehhirten, die einschliesslich der Hüte komplett aus Leder gefertigt wird. Argentinische und europäische Elemente findet man in der Leder- und Metallverarbeitung Südbrasiliens, etwa hochwertiges Sattel- und Zaumzeug oder kunstvoll gefertigte Behälter aus Silber zum Genuss von Mate Tee.

Bis heute stellt das Kunsthandwerk - "Artesanato" auf portugiesisch - für viele Brasilianer einen bedeutenden Nebenerwerb dar. Nicht selten wird dabei kreativ, autodidaktisch und ohne eng definierte stilistische Vorgaben gearbeitet. Originelle Beispiele hierfür sind zum Beispiel Skulpturen aus dem Plastik-Werkstoff "Durepox",  aus Mineralwasserflaschen hergestellte Recycling-Handtaschen oder maschinelle Stickerei Textilien von selbstentworfenen Motiven, kombiniert mit handgefertigter Kleidung und Häkelprodukten. So manches Bikini- oder Tanga-Modell aus dem ein oder anderem deutschen Werbemittel Katalog stammt ursprünglich aus dieser Kreativschmiede. Viele dieser Produkte sind ein künstlerisches Abbild des modernen Brasilien, eine farbenfrohe und lebendige Mischung mit fliessenden Grenzen zwischen Tradition und Moderne - und sehr originelle Mitbringsel.